Es war einmal: das Videospiel

Wie sie alle heissen: Nintendo, Nintendo-Switch, PSP, xBox, PS4, Wii, WiiU. Die Namen hören sich hip an, der Gebrauch der Konsolen findet in vielen Familien täglich statt. Was aber, wenn das Thema auch in der Logopädie für einmal Oberhand gewinnt?

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Es war mir dann doch ein bisschen peinlich, als mir Lauro (Name geändert) letzten Freitag erzählte, dass er sich mit seinem ersparten Taschengeld ein neues Game für die PS4 kaufen konnte. Für alle die sich jetzt mit dem Begriff „PS4“ auf ungewissem Terrain befinden: gemeint ist die 4. Generation der Spielkonsole PlayStation der Firma Sony. Das Unangenehme an der Sache war nicht, dass sich Lauro das Spiel gekauft hat, sondern dass mir das Spiel durchaus ein bekannter Begriff war. Lauro wollte dringend darüber sprechen. In mir entstand ein zwiespältiges Gefühl. Breche ich mit dem Geständnis, dass ich den Inhalt des Spiels bereits schon kenne, die professionelle Distanz zwischen Logopädin und Kind und untergrabe ich damit meine eigene Vorbildfunktion und Autorität? Oder biete ich dem Kind einen optimalen Sprechanlass? Unterstützt die Gemeinsamkeit gar den Beziehungsaufbau und die Vertrauensbasis? Und wenn ja, will ich denn, dass sich die Beziehung aufgrund eines Videospiels positiv entwickelt? Eigentlich nicht.

Eigentlich will ich, dass Lauro von sich aus eine andere Thematik als die der Videospiele wählt. Natur zum Beispiel. Oder Sport. Auf alle Fälle ein Thema, zu dem Lauro am besten auch gleich schriftlich in der Logopädie arbeiten kann. Doch genau in diesem Moment sehe ich vor meinem geistigen Auge ein 7-jähriges Mädchen, an einem verregneten Sonntagnachmittag beim Nachbarsbuben vor dem Fernseher sitzen. Ich selbst. In der Hand: den Controller einer PS1 (1. Generation der Spielkonsole Playstation der Firma Sony. Anno 1995).

Das Bild brennt sich in mein Bewusstsein ein. Mir war das damals als Kind auch sehr wichtig. Genauso wie Freunde, Natur und Sport. Mit Hilfe dieses nostalgischen Gefühls habe ich mich innerhalb von Sekunden entschieden. Für den Sprechanlass. Für den Beziehungsaufbau. Für Lauros Interesse und Freude. Und spätestens als mich Lauro am Schluss seiner Spielbeschreibung mit leuchtenden Augen fragt: „Sie, Frau Helfer, darf ich nicht noch etwas über mein Spiel aufschreiben?“, weiss ich, dass sich Videospiele auf gewisse Art und Weise auch in der Logopädie durchaus einsetzen lassen.

Anika Helfer

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